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Fokus auf Luxussegment als Strategie eines Massenherstellers

|   Classic Experts

Wenn Exklusivität Sichtbarkeit ersetzt, wenn emotionale Anker verloren gehen, bleibt dann mehr als ein ikonisches Logo?

In einem Markt, in dem Wettbewerber über 45 % ihrer Neuwagen als rabattierte Miet-, Vorführfahrzeuge oder als Tageszulassungen in Umlauf bringen, geht Mercedes-Benz offenbar einen anderen Weg: weniger künstliches Volumen, mehr private Kunden – insbesondere im hochpreisigen Segment, so berichtet das Handelsblatt (https://lnkd.in/dDukC47w). Die Strategie scheint aufzugehen.

Doch dieser Weg hat auch seinen Preis. Das Gesicht der Marke verändert sich – nicht abrupt, aber schleichend. Einige Beispiele:

Rückzug aus dem Taxi-Geschäft
Einst über 60 % Marktanteil, heute unter 20 %. Die E-Klasse war ikonisch. Heute fehlen Taxi-Pakete, Großraum-E-Modelle – und damit Sichtbarkeit im Alltag.

Verkauf eigener Niederlassungen
Seit 2015 wurden über die Hälfte der Mercedes-Betriebe in Deutschland veräußert – primär an große Handelsgruppen. Persönliche Marken-/Modell- und Baureihenerfahrung weicht Retailprozessen.

Rückbau der Classic Center
Restauratorische Leuchttürme wurden zurückgefahren. Digitale Archive ersetzen emotionale Nähe zum Erbe.

Carsharing & Vermietung/ Rent zurückgefahren
Damit reduziert die Marke Zugänge zu jungen Zielgruppen und urbaner Präsenz.

Geringere Präsenz auf Leitmessen
IAA, NAIAS, Pariser Autosalon, Genfer Motor Show – früher Bühnen der Markenstärke, heute teils nur Randerscheinung oder völliger Rückzug. Der Stern glänzt seltener öffentlich, heute vermehrt virtuell.

Und dennoch bestätigt der Erfolg die Strategie
Die Privatkundenquote steigt – wenn auch nur von 34 % (2017) auf 36 % (2024). Ein Spitzenwert im Premiumsegment. Bei beiden deutschen Wettbewerbern sinkt der Anteil privater Käufe zweistellig. Die Bindungskraft ist bei Mercedes (noch) da – ganz ohne Rabattschlachten.

Aber wie weit kann man diesen Bogen noch spannen, wie lange trägt diese Strategie?